| Seit der Gründung der modernen Cohors IIII hat sich viel getan. Mit den Jahren entwickelten sich nicht nur die archäologischen Kenntnisse, sondern in gleichem Maße auch unsere Darstellungen. |
| Frauen sind zwar nicht grundsätzlich ein Problem, in einem römischen Militärlager des frühen 2. Jahrhunderts jedoch etwas deplaziert. Dies führte uns zu einer grundsätzlichen Zweiteilung des Lagers in einen zivilen Bereich und ein militärisches Lager. Der zivile Bereich beherbergt als Impedimenta (Troß) die Frauen, Kinder und Zivilisten, die als Marketender, Handwerker und inoffizielle Frauen als untrennbarer Bestandteil mit dem Militärwesen verbunden sind. |  |
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jedem Standlager finden wir ein ziviles Dorf (Vicus oder Canabae), bei längeren Feldzügen im Sommerlager war dies nicht anders.Der zivile Bereich ist zwar bislang nicht der Schwerpunkt unserer Darstellung, aber er findet zunehmend mehr Gewichtung.
Im militärischen Bereich ist nur das zu anzutreffen, was auch wirklich von den Soldaten auf dem Marsch mitgeführt wurde, weniger ist hier oft mehr. Stühle oder Tische sind so z.B. für den normalen Soldaten nicht denkbar. |
 | Vor jedem Zelt befinden sich die Marschgepäcke mit der persönlichen Ausrüstung der Soldaten, zusätzlich gibt es hier das eingerichtete Zelt des Centurios und die Schreibstube für militärische Angelegenheiten, die auch als Rekrutierungsbüro Auskunft über die Möglichkeit einer Karriere im Dienste Roms gibt.
Daneben gehört zu jedem Zelt eine Feuerstelle und zumindest für eine Centurie auch eine Kornmühle für die täglichen Getreiderationen, die zum Brei verkocht oder zu Mehl für Brot verarbeitet wurden. Daneben gehören Feldzeichen und Weihestein zu den kultischen Ehrenzeichen der Einheit und Schanzwerkzeug zum Anlegen der Befestigungsanlagen und Entwässerungsgräben um die Zelte. |
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| Die Leinen- und Baumwollzelte, die in der Vergangenheit Verwendung gefunden haben, entsprechen nicht mehr den aktuellen Forschungsständen. |
Auch wenn es in der Antike durchaus große Tücher als Schiffssegel oder Sonnenschutz gab, ist archäologisch zumindest in unseren Breiten nur Leder als Fertigungsmaterial
archäologisch nachgewiesen. Reste von Lederzelten stammen z.B. aus England und den Niederlanden. Auch bildliche Abbildungen z.B. auf der Trajanssäule legen eine Herstellung aus Lederflicken nahe. Selbst die schriftlichen Quellen stimmen damit überein, denn der Begriff für "in die Zelte" oder "ins Lager gehen" hieß "sub pellibus", d.h. wörtlich übersetzt "unter die Häute". An diesem Punkt, wo alle drei Quellengattungen eine eindeutige Sprache sprechen, waren wir gefragt, inwieweit die in der Römerszene seit Jahrzehnten üblichen weißen Leinenzelte unserem Verständnis als Darstellungsgruppe römischer Geschichte noch genügen. |
 Originale Flicken von römischen Lederzelten, hier sogar noch mit Verschlussriemen und Verstärkung
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 | Da auch das Schnittmuster mit den flachen Seitenwänden inzwischen ebenfalls vom Forschungsstand überholt ist, haben wir uns entschlossen, die alten Modelle sukzessive durch Nachbildungen zu ersetzen, die zumindest teilweise aus Leder bestehen und vom Schnittmuster her den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen. Da es im Handel keinerlei Zelte gibt, die auch nur andeutungsweise die angelegten Kriterien erfüllen, |
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| haben
wir intensiv die zur Verfügung stehenden Quellen recherchiert und auf dieser Grundlage die Rekonstruktionen selbst in Angriff genommen. Sogar die Zeltheringe sind nach Originalvorlagen von Hand geschmiedet.
Auch wenn die komplette Umstellung der Gruppe auf originalgetreue Zelte ein erheblicher finanzieller und zeitlicher Aufwand ist, werden wir in Zukunft diesen Weg natürlich weiter verfolgen. Alles andere wäre im Hinblick auf unseren Authentizitätsanspruch ohnehin nicht denkbar. |  |
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