Unser Jagdausflug war lustig.
Wir waren zu dritt (der ganz harte Kern),haben uns mit Wurflanze, Bogen, Kürbisflasche und Mantelsack beladen und machten uns bei herrlichem Wetter auf einem neuen Wanderweg auf die Socken, besser auf die neuen Tibialia. Die haben sich übrigens bestens bewährt. Sie störten in keinster Weise, waren trotz Durchschlammung und Durchnässung immer noch wärmend und sind trotz kurzer Bracae, die das Knie freiläßt, warm genug, selbst für den Winter!

Der Weg war zuerst einmalig schön und wechselte mehrmals zwischen 400 und 300 Höhenmetern. Am Ende des ersten Drittels stand der Abstieg ins Wispertal (100m NN), der von Wildsäuen nahezu umgegraben war.

 

 

Am Ende stand die Wanderkneipe Kammerburg, wo wir uns mit bierigen Getränken stärkten. Mein Kürbis taugte ja leider nicht als Wasserbehälter. Dennis hatte seinen dabei, der etwa einen Liter faßte. Frank brachte sogar zwei mit je gut drei Litern Fassungsvermögen mit - leider konnte er keine Korken besorgen, sodaß wir erst abends einen Verschluß schnitzten. Wir hatten also beständig Bedarf nach Wasser. Von der Kneipe aus stiegen wir im gegenüberliegenden Tal rasch wieder auf 400m (schnauf).

 

Der "neue" Wanderweg war hier auf einen Fußpfad zugewachsen. Lavierend zwischen Dornen, umgefallenen Bäumen und dem Abgrund kamen wir etwas langsamer voran. Ab der malerischen Ruine der Kammerburg war selbst dieser Weg nicht mehr gangbar. Wir drifteten immer mehr ins benachbarte Bachtal ab, wo wir auf der ehemaligen Wegetrasse eines Steinbruches uns langsam wieder auf 400m hinaufarbeiteten. Den Weg teilte sich ein kleiner schlammiger Bach mit uns, den wir mehrfach querten. Große Bäume lagen quer über dem Tälchen, das auf beiden Seiten von steilen Felswänden begrenzt war. So brauchten wir für etwa 2km Aufstieg etwa 1 1/2 Stunden.

Oben angekommen schnorrte ich bei einem zufällig des Wegs kreuzenden Förster drei Fluppis (Aufgabe des Exploratoren: Kontakt zur Bevölkerung. Einteilung in drei Kategorien: 1. Erschlagen, 2. Vergewaltigen oder 3. Ausplündern. Da der Waidmann gut bewaffnet und nicht unser Typ war, entschieden wir uns für 3. !!!).

Danach gings unter dem frenetischen Jubel der Bevölkerung ("Seid ihr Wikinger?" - "Seht ihr nicht, daß wir keine Hörnerhelme tragen?") durch den "malerischen" Ort Ransel. Hier erreichten wir mit etwa 430m den höchsten Punkt und konnten unter einem Handymast stehend unseren Troß erreichen (sonst konnte man den Hand-Semaphor glatt vergessen).

 

 

Unser mulio Volker hatte sich gerade selbsttätig in Gang gesetzt, was uns - mittlerweise wieder wasserlos - in nicht geringe Freude versetzte. Der letzte Abstieg sollte aber alles bisher gehabte in den Schatten stellen! Beide Wege an den Seiten des Tales waren durch schwere Baumaschinen total verschlammt. Der nördliche, den wir zuerst versuchten, war wieder mit Bäumen verbarrikadiert, sodaß wir zuerst wieder den Bach versuchten. Der war dann bald darauf mit Dornensträuchern zugewachsen, die uns das Überwechseln auf die andere Seite schwer machten. Einmal mußten wir den Weg freischlagen, wobei Franks niegelnagelneues Ringknaufschwert an der Griffangel entzweibrach. Ich hatte irgendwann die Schnauze so voll, daß ich mich einfach durchrammte (Winkelriß in der Tunika!). Der südliche Weg lag auch wieder voller Bäume, die jedoch kurz vor uns durch Waldarbeiter freigeräumt wurden. Blieb der Schlamm.

Als wir dann endlich am Lagerplatz gegen halb fünf ankamen, warfen wir erstmal das Gepäck von uns, zogen die durchfeuchtete Obertunika aus und warfen uns ausgepumpt auf die Mantelsäcke. Doch schon fünf Minuten später kam der Troß, der uns mit einer sofort eingeleiteten Flensburgerinfusion ins Leben zurückrief.

Das Biwak war wirklich schön, nur war ich zum Grillen fast zu erschöpft. Dennoch ließen es die Contubernalen nicht zu, daß ich vor zehn ins Zelt schlüpfte. Beim Frühstück am nächsten Morgen ließen wir uns schön Zeit, der Troß kürzte den Rückweg zusätzlich ab. Auf Nachfrage bestätigte mir Frank, auch er habe vorgestern ausgezeichnet geschlafen. Jetzt leiden wir beiden Sesselpuper am Muskelkater, aber wir
wollten es ja nicht anders. Wenn das Zelt heute noch trocken wird war es wirklich ein sehr gelungener Ausflug. Warten wir auf die Bilder! Vielleicht machen wir ja im Frühjahr wieder so eine Tour...!

Ach ja, unsere Winterwanderung soll dieses Mal in der nördlichen Wetterau stattfinden. Genaueres wird noch bekannt gegeben.