COH IIII VIND
Cohors IIII Vindelicorum


Der geschichtliche Hintergrund

Der Krieg unter Domitian gegen die germanischen Chatten endete um 85 n. Chr. mit der Gründung der Provinzen Ober- und Untergermanien. Insbesondere war dabei der wichtige Verkehrsweg zwischen Rhein und Donau ein Gesichtspunkt, dem durch den Bau einer Fernstraße von Mainz ausgehend Rechnung getragen wurde. 

Münze Trajans

Während schon große Militäranlagen wie Rottweil und Ladenburg im Landesinneren seit der Zeit Vespasians zwischen 70 und 80 n. Chr. angelegt worden waren, entstand nun zur Sicherung des neuen Provinzgebietes der Limes mit seinen zahlreichen Hilfstruppen-Kastellen.Neuere Forschungen bringen diese umfassende Umstrukturierung mit Kaiser Trajan in Verbindung, der Statthalter in Mainz gewesen war und in der Nachfolge Domitians zwischen 100 und 120 n. Chr. durch das Anlegen von Schneisen und den Bau von Wachtürmen den Grenzverkehr kontrollieren ließ. 
Dieser Effekt wurde später durch das Ausheben eines Grabens und das Errichten der Limespalisade verstärkt. Die Kontrolle des Übergangs von Personen und Warengütern oblag nun vollständig den stationierten Truppen. 
Als militärische Befestigung war der Limes trotz des engen Netzes von Wachtürmen und Kastellen nahezu unbrauchbar. Durch eine geschickte römische Bündnispolitik, Klientel, Warenaustausch und militärische Kontrolle des Vorlandes war die Gefahr eines großangelegten Angriffes zumindest bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts auch nicht gegeben. 
Zur Abwehr von kleinen Räubertrupps (Latrones) und für wirtschaftliche Zwecke hat sich der Limes aber über eine lange Zeit hinweg bewährt. 
In Großkrotzenburg trifft der Taunus-Wetterau-Limes auf den Main, um hier als "nasse Grenze" weiterzuführen. Die wichtige Funktion als Umschlagsplatz für Warengüter wird durch eine Brücke über den Main und eine Benifiziarier-Station (mit Polizei- und Zollaufgaben) unterstrichen. 
Die Gründung des Kastells wird gegen Ende des 1. Jahrhunderts vermutet. Die nicht nachgewiesene Holzkonstruktion wurde ca. ab 110 n.Chr. durch einen massiven Steinbau ersetzt, von dem noch Bebauungsreste vorhanden sind und dessen Lageplan sich heute noch im Stadtbild und der Straßenführung erkennen läßt. 

Die ca. 500 Mann starke 4. Vindeliker-Kohorte wurde aus Nida (Frankfurt-Heddernheim) abgezogen und in dem ca. 2,2 ha großen Kastell stationiert.
 Die Vindeliker waren ein keltischer Volksstamm aus der Gegend um Augsburg (Augusta Vindelicum), aus dem zur Gründungszeit der Einheit die Soldaten rekrutiert worden waren. 
Zu Beginn des 2. Jahrhunderts bestand die Einheit - wie alle am Limes eingesetzten Truppen - aus Provinzbewohnern, die kein römisches Bürgerrecht besaßen (peregrines). Diese Hilfstruppen erhielten weniger Sold als reguläre Legionäre, unterschieden sich in Kleidung und Bewaffnung aber nur unwesentlich. Auf der Trajanssäule in Rom werden zur Unterscheidung Legionäre im Schienenpanzer (lorica segmentata) mit viereckigem Schild (scutum) und Wurfspeer (pilum) dargestellt, während die Auxiliare knielange Hosen, Kettenhemden (lorica hamata), Ovalschild (parma) und Stoßlanze (hasta) tragen. Dieses Denkmal ist allerdings aufgrund künstlerischer Freiheiten mit Vorsicht zu betrachten, so zum Beispiel stammen die meisten Fragmente von Schienenpanzern aus Auxiliar-Kastellen. Inwieweit die Unterscheidung der Ausrüstung von Legionären und Auxilien so der damaligen Realität entspricht, muß also vorerst offen bleiben.
Zu den Aufgaben der Soldaten gehörten neben dem militärischen Dienst die Überwachung des Limes und seinem Vor- und Hinterland, die Durchführung von Bauvorhaben, Verwaltungsaufgaben und vieles mehr. Bekannt war die Kohorte für die in den zum Kastell gehörigen Tonbrennereien gefertigten Ziegel, die über den Main und andere Handelswege vertrieben wurden. 
Ziegel mit den Stempeln der COH IIII VIND fanden sich in anderen Limeskastellen und bei Ausgrabungen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Nach 25 Jahren Dienstzeit erhielten die Soldaten der Hilfstruppen eine Pension und das römische Bürgerrecht. Nun erst war es ihnen erlaubt, eine rechtlich gültige Ehe einzugehen. Die vorerst inoffiziellen Frauen und Kinder der im Kastell stationierten Soldaten, Wirte, Händler und Handwerker wohnten in einem Dorf außerhalb der Kastelltore, dem vicus. 

Sie waren wichtiger Bestandteil des Soldatenlebens und stellten hier wie in vielen anderen Garnisonen eine vom Lager und seiner Besatzung abhängige dörfliche Gemeinschaft dar.